Qigong für Pferde – Geht das wirklich?
Qigong für Pferde – klingt das nicht ein bisschen verrückt? Zwei Erlebnisse haben mich davon überzeugt, dass Qigong auch bei Tieren seine Wirkung entfaltet.
Eine meiner Qigong-Teilnehmenden hat mir folgende Geschichte erzählt.
Eine enge Freundin von ihr hat ein Pferd – und zwar ein ziemlich wildes, schwer zu handhabendes Tier. Wenn ihre Freundin zum Stall geht, stellt sie sich zunächst vor das Pferd, atmet ganz langsam und lang aus – fuuuuh – und beugt dabei den Kopf und den Oberkörper nach vorne. In Gedanken wiederholt sie dabei leise: ruhig… ruhig… ruhig… Diese Bewegung wiederholt sie mehrmals.
Und dann passiert etwas Erstaunliches: Das Pferd macht genau das Gleiche mit – es atmet tief aus und senkt dabei langsam und gleichmäßig den Kopf, ganz im Rhythmus mit ihr. Auch das wiederholt sich mehrere Male.
Nach diesem kleinen Ritual soll das Pferd jedes Mal ganz ruhig und sanft werden.
Diese Teilnehmende hat das schon mehrmals selbst miterlebt und sagt, es sei ein wundersamer und einzigartiger Anblick.
Eine ähnliche Geschichte hörte ich von einer Tierärztin, die ich aus einer Taiji-Ausbildung kannte.
Wenn sie vor der Arbeit Taiji geübt hatte, ließen sich selbst temperamentvolle, schwierige Hunde von ihr anfassen. An Tagen, an denen sie zufällig kein Taiji üben konnte, ließen sich die Hunde nicht anfassen. Das war nicht nur bei einem bestimmten Hund so, sondern erlebte sie im Alltag auch mit anderen Tieren. Deshalb macht sie jeden Morgen als feste Gewohnheit zuerst Taiji, bevor sie mit der Arbeit beginnt.
Und wenn das bei Tieren so funktioniert – dann gilt das doch genauso für Menschen, oder? Wenn wir ruhig und gelassen auf jemanden zugehen, spürt das unser Gegenüber ganz von selbst.
Wer sich im Alltag angewöhnt, sich – auch wenn es nur kurz ist – durch Qigong oder Taiji bewusst zu entspannen, kann damit auch das Miteinander mit anderen positiv beeinflussen.
Vor einer wichtigen Besprechung, vor einem heiklen Thema – atmet in solchen Momenten bewusst tief und natürlich, ganz im Sinne des Qigongs. Schön wäre es, wenn ihr das an mehreren Momenten im Laufe eines Tages hinbekommt.
Übrigens: Warum ich „natürlich, im Sinne des Qigongs" geschrieben habe – im Qigong soll die Atmung immer vollkommen natürlich sein. Sowohl beim Einatmen als auch beim Ausatmen atmet man durch die Nase, und zwar so leise, dass weder die Person nebenan noch man selbst die Atmung hören kann.
Einige Entspannungstrainings empfehlen: durch die Nase einatmen, durch den Mund ausatmen – oder: tief einatmen, kurz anhalten, dann langsam ausatmen. Auch unter Qigong-Kursleitenden gibt es welche, die beim Üben Atemhinweise geben wie „einatmen" und „ausatmen".
Die Schule meiner Ausbildung in Chinesischer Medizin empfiehlt dagegen – ganz im Sinne der alten chinesischen Lehre – eine völlig natürliche Nasenatmung, ohne jede bewusste Steuerung. Ein häufig zitierter Merksatz dazu lautet: „Die beste Atemmethode ist, das Atmen zu vergessen."

